Klinik und Poliklinik für Neurologie

Tumortherapie

Neben der für die jeweilige Hirntumorentität indizierten Standardtherapie werden für viele Tumoren Therapiestudien mit neuen Substanzen und Wirkprinzipien angeboten. Bei Fehlen einer Standardtherapie kann ein individuelles Therapiekonzept im Rahmen eines individuellen Heilversuchs gefunden werden. Für die Entscheidung, welche Chemotherapie die richtige ist, werden molekulare Befunde (MGMT-Promotor-Methylierungsstatus bei Glioblastom; 1p/19q-Codeletion bei Grad II- und Grad III-Gliomen) miteinbezogen, um ein optimales, möglichst personalisiertes Therapiekonzept zu entwickeln. In fortgeschrittenen Rezidivsituationen können insbesondere bei seltenen Tumoren gegebenenfalls auch weitere genetische Marker bestimmt werden, die helfen, eine experimentelle Therapie zu finden. Alle Therapieentscheidungen werden im interdisziplinären Tumorboard (incl. Neurochirurgie und Radiotherapie) unseres DKG-zertifzierten Neuroonkologischen Zentrums getroffen.

Folgende Routine-Therapieprotokolle und Studienprotokolle werden derzeit im Schwerpunkt Klinische Neuroonkologie durchgeführt:

Glioblastom-Primärtherapie

Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom (<70 Jahre alt; guter Allgemeinzustand) und methyliertem MGMT-Promotor im Tumor bieten wir auf der Basis vielversprechender Daten aus der CeTeG/NOA-09-Studie eine kombinierte CCNU/Temozolomid-Therapie als Ergänzung zur Strahlentherapie an. Alternativ steht die Standard-Temozolomid-Therapie oder eine Studie, bei der untersucht wird, ob eine Immuntherapie mit dem PD-1-Inhibitor Nivolumab die Erkrankung günstig beeinflusst, zur Verfügung.

Bei Patienten mit nichtmethyliertem MGMT-Promotor im Tumor wird zeitnah geprüft, ob eine Studienteilnahme an der N2M2-Studie in Frage kommt. Bei dieser Studie wird eine zusätzliche genetische Testung des Hirntumorgewebes zentral an der Universität Heidelberg durchgeführt, um herauszufinden, welche der 7 experimentellen zielgerichteten Substanzen der Studie (APG101, Alectinib, Idasanutin, Atezolizumab, Vismodegib, Temsirolimus, Pabociclib) individuell am besten passt. Sollte keine der Substanz passen, wird eine Standard-Temozolomid-Therapie durchgeführt.

Bei Patienten, die nicht im Rahmen einer Studie oder anderen experimentellen Therapie behandelt werden, wird auch eine zusätzliche Behandlung mit Tumor-Therapie-Feldern diskutiert werden.

Glioblastom-Rezidivtherapie

Im Glioblastomrezidiv muss diskutiert werden, ob eine erneute Operation und/oder Strahlentherapie sinnvoll ist. Als medikamentöse Standardtherapie geben wir das Medikament CCNU (Lomustin). Bei Patienten mit einem methylierten MGMT-Promotor kann im ersten Rezidiv auch noch einmal Temozolomid gegeben werden. Wenn CCNU und Temozolomid nicht mehr wirksam sind, werden wir den Einsatz der Substanzen Regorafenib oder Bevacizumab (Avastin) diskutieren. Es steht ggf. auch die Substanz Depatux M zur Verfügung, die bei EGFR-amplifiziertem Tumor und mehr als 16 Wochen Abstand zum Ende der Primärtherapie in Kombination mit Temozolomid gegeben werden kann.

Grad III- und Grad II-Gliome

Sowohl bei Grad III- als auch bei Grad II-Gliomen hat sich gezeigt, daß eine kombinierte Therapie aus Radiotherapie und Chemotherapie einer alleinigen Radiotherapie (und wahrscheinlich auch einer alleinigen Chemotherapie) überlegen ist. Welche Chemotherapie zum Einsatz kommen sollte orientiert sich u.a. an der genetischen Konstellation im Tumor: bei einem 1p/19q-codeletierten Oligodendrogliom Grad II oder Grad III sollte nach einer Radiotherapie unmittelbar eine PC(V)-Chemotherapie angeschlossen werden. Bei einem 1p/19q-nicht codeletierten Astrozytom Grad III sollte eine Radiochemotherapie mit Temozolomid plus weiteren 9-12 Zyklen Temozolomid analog der CATNON-Studie durchgeführt werden. Ähnliches gilt auch für ein nicht-codeletiertes Astrozytom Grad II. Bei Grad II-Tumoren ist offen, wann genau eine solche Kombinationstherapie begonnen werden muss (nach OP oder erst, wenn der Tumor wieder wächst). Diese Frage muss individuell entschieden werden.

Seltene Tumore

Bei vielen seltenen Tumorentitäten wie Ependymomen, anaplastischen Meningeomen, multipel rezidivierten Chordomen etc. gibt es keine etablierten medikamentösen Standardtherapien. In der Sektion Klinische Neuroonkologie wird versucht, für diese Patienten eine individualisierte, auf pathophysiologischen Überlegungen und kleinen Fallserien basierende Therapie zu finden.

Patienten mit Medulloblastomen werden auch nach Rekrutierungsende der NOA-07-Studie mit einer kombinierten Radiochemotherapie behandelt. Bei den seltenen Patienten mit Medulloblastom-Rezidiv werden experimentelle Ansätze eingesetzt. Gerade bei Medulloblastomen und anderen seltenen Tumoren spielt auch die Identifikation von genetischen Veränderungen, die den Einsatz spezieller Medikamente möglich macht, eine immer größere Rolle.

Patienten mit Medulloblastomen werden auch nach Rekrutierungsende der NOA-07-Studie mit einer kombinierten Radiochemotherapie behandelt. Bei den seltenen Patienten mit Medulloblastom-Rezidiv werden experimentelle Ansätze eingesetzt. Gerade bei Medulloblastomen und anderen seltenen Tumoren spielt auch die Identifikation von genetischen Veränderungen, die den Einsatz spezieller Medikamente möglich macht, eine immer größere Rolle.

Für Patienten mit nicht mehr lokal mit Operation oder Radiotherapie behandelbaren Meningeomen werden individuelle Therapien mit zielgerichteten Medikamenten wie Bevacizumab, Sunitinib oder Imatimib durchgeführt.

Primäre ZNS-Lymphome

Der Schwerpunkt Klinische Neuroonkologie hat eine langjährige besondere Expertise in der Behandlung von Patienten mit Primären ZNS-Lymphomen. Eines der auch weiterhin wirksamsten Protokolle für die Behandlung von ZNS-Lymphomen wurde hier entwickelt („Bonner Protokoll für ZNS-Lymphome“). Das besondere Kennzeichen des Bonner Protokolls ist es, daß es auf die konsolidierende Radiotherapie verzichtet (ermöglicht Langzeitüberleben ohne Strahlentherapie-bedingte kognitive Einschränkungen) und auch ohne eine Hochdosistherapie mit Stannzellrescue auskommt. Die Behandlung von Patienten mit Primärem ZNS-Lymphom wird auch weiterhin wissenschaftlich begleitet durch die Dokumentation der Behandlungsverläufe in der NOA-13-Studie.

Metastasen und Meningeosis neoplastica

Jenseits von OP und Strahlentherapie gibt es keine Standards zur Chemotherapie von Patienten mit Hirnmetastasen. Die Auswahl der Chemotherapie orientiert sich an den Substanzen, deren Wirksamkeit beim Primärtumor gezeigt ist. Im Schwerpunkt Klinische Neuroonkologie gibt es besondere Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Meningeosis neoplastica. Bei der Behandlung von Patienten mit Hirnmetastasen und Menigneosis neoplastica arbeiten wir sehr eng mit den Kollegen anderer onkologischer Fachrichtungen am UKB (z.B. Dermatoonkologie und Gynäkoonkologie) und niedergelassenen Onkologen zusammen um hier zu einem optimalen interdisziplinären Behandlungskonzept zu kommen.

Für eine ambulante Beratung oder Behandlung kann kurzfristig ein Termin unter 0228-287-19887 (Frau Landwehr und Frau Christoph) vereinbart werden. Die stationäre Behandlung erfolgt auf Station NCH5-Neuroonkologie (Terminvereinbarung zur stationären Aufnahme unter 0151 58280087, Belegungsplanung Frau Margraf)

Sollten Sie Fragen zur Hirntumortherapie haben, können Sie sich gerne an uns wenden.